Veranstaltungen Rückblick Veranstaltungen 2009/2010 Die Klassen 10a und 10c im Theaterstück Antigone
Die Klassen 10a und 10c im Theaterstück Antigone

Wir, die Klasse 10a und 10c, haben zusammen mit unseren Deutschlehrerinnen Frau Striegel und Frau Elhardt und Herrn Hübner als Begleitlehrer das eigentlich antike Stück „Antigone“ von Sophokles in der Tri-bühne Stuttgart besucht. Hier ein Bild von der Aufführung, das von der Homepage der Stuttgarter Zeitung stammt:

 

Das Besondere hierbei war, dass das antike Drama modern inszeniert wurde, und in der nahen Zukunft spielte. Da wir das bekannte Drama des griechischen Tragödienschreibers im Unterricht schon ausführlich behandelt hatten, waren wir nun besonders gespannt, wie man diesen antiken Stoff in die Gegenwart oder nahe Zukunft übertragen könnte.

Welche Verhaltensweise aus der Gegenwart sollte kritisiert werden? Welche vergleichbaren Missstände gab es heute? Was sollten diese mit denen von Kreon gemeinsam haben? Wie könnte Kreon heute agieren? Wer könnte Kreon heute sein?

Bei der modernen Inszenierung wurde Theben nicht von einem Herrscher regiert, sondern die Stadt Theben wurde durch einen modernen Konzern ersetzt, der unter der Kontrolle Kreons und dessen Vorständen zu leiden hatte. So wurde vor den Augen der Zuschauer das griechische Altertum in die Welt der Topmanager und Aufsichtsräte übertragen.

 

Die Hauptpersonen Kreon, Antigone, Haimon, Ismene und Teiresias sind dabei erhalten geblieben.
Kreon spielte hier einen geldgierigen, skrupellosen, autoritären und gefühlslosen Chef, der von seinen Vorständen gefürchtet wurde.

Diese Welt konnten die Beteiligten nur ertragen, indem sie Kokain zu sich nahmen und ihre Energien mit Thai Chi bündelten.

Mit Bürosesseln, Perücken, Masken und identischen Anzügen rollte die „höhere Gesellschaft“ über die Bühne.

Eine Individualität existierte nicht, genauso wenig wie eine eigene Meinung. Diese „geklonten“ Vorstände redeten Kreon nach dem Mund.

Die Masken verdeutlichen, dass sich die Vorstände verstellen müssen. Sie dürfen nicht sie selbst sein, sie müssen sich verkleiden und die Gesichter wirken steif und emotionslos.

Ein Kontrast entstand durch die Schwestern Antigone und Ismene, denn diese waren antik gekleidet. Sie verstellten sich nicht, sagten im Gegensatz zu den Vorstandsmitgliedern stets, was sie dachten, was Antigone teuer mit ihrem Leben bezahlen musste.

Die Grundelemente der Handlung blieben gleich:

Antigone verstieß gegen Kreons Verbot, indem sie ihren Bruder Polyneikes bestattete. Dabei wurde sie von Kreons Wächtern erwischt und von Kreon zum Tod verurteilt.

Sie sollte lebendig in eine Höhle eingemauert werden.

 

Die Kritiken, die an den Vorständen und an Kreon geübt wurden, konnte man immer wieder auf die Missstände der heutigen Gesellschaft und Firmen übertragen: Die Menschlichkeit fehlt!

Der entstandene Konflikt wurde anders als in Sophokles Drama nicht durch die völlige Einsicht Kreons nach dem Tod Antigones, Haimons und Eurydikes gelöst, sondern hier schien Kreon durchzudrehen. Er versuchte nun alles, um seine Firma doch noch zu retten. Und dabei ging er buchstäblich über Leichen. Auch wenn es die Leichen seiner eigenen Familie waren. ES zählten nur noch die Gewinne, das Geld.

In diesem Stück wurden aktuelle gesellschaftliche Missstände und deren globale Auswirkungen dargestellt und auf die Spitze getrieben.

Das Wirtschaftssystem wird durch Korruption, deutliche Gesellschaftsunterschiede und asoziales Verhalten am Laufen gehalten. Obwohl nur wenige dieser Herrschaftsform zustimmen, hat niemand außer Antigone die Kraft, sich gegen diese Ungerechtigkeit zu wehren. Unterordnen ist leichter und erträglicher, auch wenn man sich mit Kokain betäuben muss, um dies alles ertragen zu können. Antigone traut sich, sich alleine gegen diesen Konzern aufzulehnen, sie fordert mehr Menschlichkeit uns bezahlt dafür mit ihrem Leben.

Das fengshuihaft schlichte, graue Bühnenbild wurde während der gesamten Aufführung nicht verändert, viel mehr wurde mit Lichttechniken gearbeitet. So wurde die Distanz zum Zuschauer gewahrt.

Im gesamten Stück überzeugten die Mitwirkenden mit tollen schauspielerischen Leistungen. Die Schauspieler wechselten zwischendurch immer wieder die Rollen und Kleider, da viele von ihnen mehrere Charaktere verkörperten.

Insgesamt hat uns allen das Stück sehr gut gefallen, da der Realitätsbezug auf eine interessante und spannende Art und Weise gelungen ist. Das ursprünglich antike Stück blieb so auch noch für die heutige Zeit topaktuell.

 

Einen Theaterbesuch wie diesen würden wir gerne alle wiederholen.

Marie Laurien und

Anna-Lena Kohler     (Klasse10a)

 

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