Ausstellungsbesuch Klasse 5b

Eine haarige Ausstellung

Wir, die Klasse 5b, gingen am 16. März 2010 in der 4. und 5.Schulstunde mit den netten Klassenlehrerinnen Frau Striegel und Frau Pasedag in die Leonberger Altstadt, um dort in der Galerie eine Ausstellung zum Thema Haare in Kunst und Kultur anzuschauen.

Die Galerie selbst wurde vor sechs Jahren gegründet. Leonberg hat viel Geld an die Galerie gespendet, damit sie überhaupt eröffnet werden konnte. Dazu sollte man wissen, dass die Galerie zuvor einmal eine richtige Scheune war. Es wurden Treppen gemacht und sogar der Kuhstall wurde zu einem Ausstellungsraum umfunktioniert. Jetzt kann man dort immer wechselnde Ausstellungen betrachten. Eine Ausstellungsperiode dauert sechs Wochen.

Die derzeitige merkwürdige aber auch interessante Ausstellung zum Thema Haare ist total aktuell, wir durften sogar die erste Besuchergruppe sein. Durch die Führung haben wir sehr viel über Haare erfahren.


Wusstet ihr zum Beispiel, dass Haare aus toten Zellen bestehen? Dass man täglich zwischen 80 und 120 Haaren verliert, oder dass die Haare nach dem Tod noch ein Weilchen weiterwachsen?

Haare hat man überall am ganzen Körper: an den Beinen, Händen, an den Fingerknöcheln, in der Nase, am Schambereich und natürlich auch auf dem Kopf.

Wusstet ihr außerdem, dass die Haare in wirklich allen Kulturen der Welt eine wichtige Bedeutung haben? Sie wurden als Schmuck betrachtet und getragen. Man hat sogar gedacht, dass lange und dicke Haare die Körperkraft symbolisieren, so wie bei Samson. Deshalb ist es auch für manche Männer so schlimm, wenn sie eine Glatze bekommen, denn viele lassen sich sogar einen Bart wachsen, damit sie stark und männlich wirken.

Bei Frauen stehen die Haare eher für die sexuelle Anziehungskraft und die Attraktivität. Models haben meist lange und schöne Haare. Diese Models konnten wir auch auf Fotografien bewundern.

Früher haben Jungs und Mädchen, die sich lieb hatten, eine Locke getauscht und diese in ein Amulett gesteckt. So haben sie immer einen Teil des Geliebten bei sich gehabt. Natürlich haben aber nicht nur wir Menschen Haare, nein, die Tiere haben auch welche. Bei ihnen nennt man das Fell. Das Fell schützt die Tiere vor Kälte und der Witterung.

Unter anderem sahen wir in der Ausstellung auch „Bilder“ oder kleinere Altäre aus dem 19. Jahrhundert, die Haare von Verstorbenen beinhalteten. Diese Andenken hat man früher aufgehängt, um der Toten zu gedenken.

Es ist wirklich unglaublich, was man aus Haaren alles herstellen kann. Wir haben auch Schmuckstücke wie Ohrringe oder Taschenuhrenketten gesehen, die aus Haaren bestanden. Das kann man sich kaum vorstellen.

An den Wänden hingen auch Schaukästchen, in denen aus Haaren verschiedene Motive wie Blumen, Schneeflocken, Sterne oder Kugelmuster geflochten waren. In einer Ecke befand sich ein atmendes Objekt von Günter Weseler. Es war ein Fell, das sich durch Motorenantrieb bewegen konnte und den Anschein machte, als ob es lebendig sei. Eingefärbte Haare wurden als Muster für ein Porzellan verwendet. Die Künstlerin Mariela Mosler hat aus Haaren Blumen geflochten. Bettina Zachov sammelt alle Haare, die sie selbst verliert, und stellt aus ihnen durchsichtig und zerbrechlich wirkende Korsagen her. Diese Kleidungsstücke kann man sicherlich nur gedanklich tragen, denn sie sind sehr fragil und transparent. Chrystl Rijkeboer ist eine Holländerin. Sie kommt aus Haalem. Sie hat Köpfe bzw. Masken aus Haaren hergestellt. Diese Masken nennt sie Avatare, was soviel wie Herabkunft bedeutet. Sie wollte damit wohl verdeutlichen, dass Menschen oft Masken tragen, d.h., dass sie sich nicht natürlich geben, sondern vorspielen, jemand anders zu sein. Tun wir das manchmal nicht auch? Die Künstlerin hat mehrer Sturmhauben aus verschieden gefärbten Haaren geflochten. Die Masken sind natürlich nicht zum Tragen gedacht, obwohl sie die Models auf den Fotos für eine kurze Zeit über ihren Kopf gezogen haben. Die Masken sind pure Kunstwerke, die man in einem Zimmer aufhängen kann. Die Südafrikanerin Nandipha Mntambo hat ein Tipi aus Rinderschwänzen und Kuhschwänzen hergestellt. Wollte sie uns dazu anregen darüber nachzudenken, wie Menschen mit Nutztieren umgehen? Tiere helfen uns im Leben, man sollte sie nicht quälen.

Im ersten Obergeschoss sahen wir dann Werke von einer Iranerin namens Mandana Moghaddam. Sie hat eine riesige Figur aus Haaren hergestellt. Diese Figur sollte eine weibliche Person aus einem persischen Märchen verkörpern. Das Mädchen in dem Märchen hatte 40 Zöpfe. Da Haare, wie vorhin erwähnt, für Stärke stehen, musste diese Frau sehr stark gewesen sein.

Die Künstlerin Ruth Marten besaß früher mal ein Tatoostudio. Wir haben Kupferstiche von ihr gesehen. Mit einer sehr feinen Nadel zeichnete Marten einen Schakal. Das gelbe Auge hob sich vom haarigen dunkeln Hintergrund optisch stark ab.

Dann haben wir uns noch ein Video angeschaut, in dem eine Frau still in der gleichen Position verharrt, ihre Haare sich jedoch um die eigene Achse drehen. Man bekommt den optischen Eindruck, als ob sich die Frau selbst, nicht aber die Haare bewegten. Technisch war dies nur möglich, weil sie unter der Perücke einen Motor hatte.

Dass Haare aber auch negative Emotionen wie Scham oder Ekel in uns hervorrufen können, ist ebenfalls klar. Herlinde Koelbl ist eine Topfotografin, sie hat sogar schon unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel fotografiert. Und das obwohl sie schon 71 Jahr alt ist. Auf den Fotos in der Galerie haben wir nicht nur schöne Models gesehen, die sie fotografiert hat, sondern auch einen Damenbart in Nahaufnahme oder Haare im Abfluss.

Wie man sehen kann, ist die Ausstellung enorm abwechslungsreich und es gibt unzählige Künstler, die die verrücktesten Ideen haben.

Uns hat die Ausstellung echt gut gefallen, denn wir haben uns zuvor gar keine Vorstellung davon gemacht, was man mit Haaren so alles machen kann. Haare als Werkstoff zu benutzen ist alles andere als alltäglich. Man sollte öfters in die Galerie gehen, denn dort bekommt man selbst neue Ideen.

Wenn ihr euch trotz unserer Erklärungen und Bilder immer noch nicht so recht vorstellen könnt, was wir gesehen haben, dann solltet ihr euch beeilen, diese Ausstellung selbst zu besuchen. Zeit dazu habt ihr noch bis zum 25.April 2010.

Wir wollen uns natürlich noch bei Frau Ossowski bedanken, denn sie hat uns sehr gut durch die Ausstellung geführt.

Alexandra Tsagalidou, Alexander Kurz, Lmar Hassas, Kevin Maass (Klasse 5b)

 

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