Kafka - eine Collage

Am 08.03.2010 versammelte sich die Klasse 10a mit ihrer Deutschlehrerin Frau Striegel und den Schülern der J1 zusammen mit Herrn Krizan zu Beginn der dritten Stunde im Musiksaal des ASG, um das Klassenzimmertheater „ Kafka-Collage“ anzuschauen.

In diesem One- man Theater geht es um einen ca. 50-minütigen wirren Ausschnitt aus Kafkas Leben. Schwerpunkte bilden Kafkas Arbeitsleben als Beamter in einer Versicherungsanstalt, seine Beziehungsprobleme und seine Tuberkuloseerkrankung. Die Informationen hierzu erhielt der Stückeschreiber aus Tagebucheinträgen Kafkas und dessen Biografie.

Zu Beginn der fünften Stunde fand das gleiche Stück für die Schülerinnen und Schüler von J2 statt.


Das Bühnenbild spielte bei der Aufführung eine gewichtige Rolle, da es das bedrückende Innenleben Kafkas durch die schwarze Kulisse und den kahlen Schreibtisch verstärkt darstellte.
Von diesen schwarzen Wänden führten zwei Schnüre zu einer Stahlstange, auf welcher ein Pappmachékopf, der mit sowohl mit Briefen beklebt, als auch mit einer rothaarigen Perücke versehen war.

Diese „Person“ könnte für  Felice Bauer und Milena Jesenka stehen, zu denen Kafka eine Briefbeziehung hatte. Mit beiden Frauen war Kafka verlobt, aber die Beziehungen scheiterten und es kam zu Entlobungen.

Auf dem Boden lag eine Plakatrolle, die von der Puppe bis zum Schreibtisch führte und auf die der Schauspieler immer wieder seine wirren und bedrückenden Gedanken und Nachrichten an seine Geliebte mit einem Edding niederschrieb.

Zu Beginn des Stücks erzählte Kafka von seiner unangenehmen Atmosphäre in seinem Beruf als Aushilfskraft in einer privaten Versicherungsgesellschaft und es wurde auch deutlich, dass die andauernde Papierarbeit ihn psychisch belastete, indem er während seiner tristen Selbstgespräche immer wieder Knochen aus Kartons entnahm, in Papier einwickelte und diese dann auf die gespannten Schnüre hängte.

Man kann mit den Knochen die „knochenharte“ Arbeit in seinem Beruf und Tod aber auch eine Brieftaube assoziieren, die die Verbindung zu seiner Geliebten, hier dem Pappmachekopf, herstellen kann (Vexierbild). Das lag daran, dass Kafka einmal die Akten aufhängte und ein anderes Mal die Knochen als Briefe an seine Geliebte deklarierte.

Kafka litt unter dieser eintönigen Bürotätigkeit und betonte, dass er lieber Schreiben wolle, als diese sinnlose Tätigkeit zu verrichten.  

Diese psychische Belastung führte unter anderem dazu, dass Kafka an einer Lungentuberkulose erkrankte, was der Schauspieler zeigte, indem er ab und zu zu husten begann und dann in eine Dose spuckte.

Kafka berichtete auch von einem Nachbarn, von dem er völlig abgeschlossen war, obwohl er versuchte mit diesem einen Kontakt zu knüpfen, und von seinem Chef, von dem er sich stets unterdrückt fühlte. Kafka wollte dem Chef einmal so richtig seine Meinung sagen, doch letztlich fehlte ihm dazu der Mut, weil er nur ein kleiner Angestellter war. Stattdessen hegte er seinem Vorgesetzten gegenüber Zerstörungs- und Rachefantasien, die er dann wieder unterdrücken musste.

Der Schwerpunkt des Stücks lag allerdings auf den gescheiterten Beziehungen zu den beiden Frauen, mit denen sich Kafka mehrmals ver- und entlobt hatte.

Der Schauspieler brachte durch gute Mimik und Ernsthaftigkeit den Liebeskummer und den Wunsch nach einer richtigen Beziehung nachhaltig zum Ausdruck. Er wollte nicht nur Briefe von seiner Geliebten lesen und er war es Leid, ihr nur zu schreiben, sondern er wollte sie auch sehen, sie spüren, sie real bei sich haben. Er wollte nicht nur an sie denken und von ihr träumen. Er wollte nicht nur Briefe lesen.
Doch stattdessen war die bedrückende, belastende und unschöne Büroarbeit seine tägliche Realität.

Der Darsteller Markus Gehrlein brachte viele Gefühle und Emotionen zum Ausdruck, wie Angst, Verzweiflung, Leid, Freude, Liebe und Zärtlichkeit.

Markus Gehrlein, gebürtig 1967 in Heilbronn, der zurzeit mit seiner Familie in Pforzheim lebt, ist Sprecher beim SWR und Schauspieler beim „THEATERmobileSPIELE“ in Pforzheim, das in ganz Baden-Württemberg seine Stücke hauptsächlich in Schulen präsentiert.

Der Regisseur dieses Stücks ist Thorsten Kreilos, der 1965 in Marburg geboren wurde. Er lebt ebenfalls in Pforzheim und ist der Gründer des "THEATERmobileSPIELE".

Im Anschluss an die Vorstellung hatten wir Schüler noch die Möglichkeit, unsere Eindrücke wiederzugeben und Fragen an die beiden zu stellen.

Wie wir erfuhren, wird das Stück nun bald zum 140.mal aufgeführt.

Fragen an den Schauspieler lauteten unter anderem, ob die Rolle ihm Spaß mache, die er mit einem entschiedenen Ja beantwortete. Er erklärte uns, dass sie nicht einmal all zu viel Vorbereitung erfordere, sondern dass man sich lediglich auf sie einlassen und die vorgegeben Emotionen in sich selbst suchen müsse.

Unsere persönliche Meinung zu diesem Stück ist eher gespalten, da es für uns sehr schwierig war, dem völlig neuartigen Stück zu folgen. Es gab nicht wie in anderen Theaterstücken eine Handlung mit einem Anfang und einem Ende, sondern es wurde lediglich das wirre Denken und das chaotische und pessimistische Innenleben Kafkas gezeigt, das durch gescheiterte Liebesbeziehungen, eine unbefriedigende Arbeit und der Lungentuberkulose gezeichnet war.

Sehr gut gefallen hat uns das Bühnenbild, das reduziert aber wohl überlegt und treffend war. Die Darstellung des Schauspielers war ebenfalls auf sehr hohem Niveau.

Insgesamt hat dieses Stück einen bleibenden Eindruck bei uns hinterlassen, weil es sich von unseren bisher besuchten Theaterstücken abhebt und in einem Klassenzimmer stattfand. Die negative Stimmung Kafkas hat sich so auf die Atmosphäre im Klassenzimmer übertragen. Die Zuschauer saßen eng nebeneinander und die bedrückende Stimmung und die psychische Bedrängung haben sich auf die Zuschauer übertragen.

Den meisten von uns kommt aber die konventionelle Theateratmosphäre etwas mehr entgegen, weshalb es uns besser gefällt, ein Theater zu besuchen. Vielleicht müssen wir uns aber auch erst an diese neue Spielart gewöhnen.

Das pessimistische Denken Kafkas hinterließ bei den Besuchern noch einen anhaltenden Nachgeschmack.

 

Stephanie Kaufmann, 10a

 

 

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