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Die innere Struktur wird sichtbar
Artikel aus der Leonberger Kreiszeitung vom 24.07.2009
Leonberg Chöre und Orchester der Leonberger Gymnasien begeistern mit dem selten aufgeführten, aber eindrucksvollen "Stabat Mater" von Karl Jenkins. Von Alexander Walther
Wie eindrucksvoll man musikalische Brücken schlagen kann, beweist der 1944 geborene englische Komponist Karl Jenkins mit seinem "Stabat Mater", das der engagierte Dirigent Rolf Beuchert am Mittwochabend mit Chören und Orchester des Albert-Schweitzer- und Johannes-Kepler-Gymnasiums in der voll besetzten katholischen Kirche St. Johannes aufgeführt hat.
Die jeweiligen stilistischen Einflüsse dieser Gattung wurden dabei exzellent herausgearbeitet. Natürlich ist auch bei Karl Jenkins die Tonsprache von Palestrina und Vivaldi, von Rossini, Verdi, Dvorak, Penderecki oder Pärt herauszuhören. Doch besonders auffallend sind bei dieser Komposition die rhythmischen Elemente, wobei die Percussion-Einlagen zuweilen mit harten Staccato-Attacken und wilden Bewegungsmomenten aufwarten.
Inspiration und Frische sucht Jenkins nach eigenen Worten außerhalb der rein westlich-europäischen Tradition. Außer der Vertonung des religiösen Textes werden hier auch Worte alter Verfasser aus dem heutigen Nahen Osten herangezogen. Dort gebräuchliche Instrumente wie das Riq oder die Darabuka hat Karl Jenkins in raffinierter Weise eingesetzt.
Orientalische Rhythmen und Gesänge mit Chören unseres Kulturkreises gewinnen eine erstaunliche Intensität. Davon konnte sich das Publikum in der akustisch weiträumigen Johanneskirche ausgiebig überzeugen. Denn es gelang Rolf Beuchert zusammen mit den jungen Sängern und Instrumentalisten vorzüglich, die dramatischen Akzente und thematischen Zusammenhänge offen zu legen. Der Jazz-Chor des JKG (Einstudierung: Teresa Nar) akzentuierte den musikalischen Stil zwischen Unterhaltungsmusik und Klassik sehr facettenreich.
 Bei einzelnen Sätzen wie "Cantus lacrimosus", "Vidit Jesum in tormentis" oder "Sancta Mater" agierten außerdem die Unterstufenchöre, der Oberstufenchor sowie der Elternchor mit polyphoner Durchsichtigkeit und formaler Geschlossenheit. "Virga virginum" bestach mit Pizzicato-Akzenten. Der heftige Rhythmus übertrug sich auf die Bläser. Zwischen Anne Czichowsky (Ethnic-Alt) und Laura Schmid (Ganassi g-Altblockflöte) kam es zu einem faszinierenden konzertanten Dialog.
Ein weiterer Höhepunkt dieser Aufführung waren die Gedichtvertonungen, die die Bedeutung des lateinischen Textes vertiefen. Marias Verzweiflung beim Anblick ihres gekreuzigten Sohnes etwa kam erschütternd zum Ausdruck. Alte persische und babylonische Texte verliehen der Aufführung zudem eine besondere Exotik.
Sphärenhafte Leichtigkeit beherrschte zudem den von Rolf Beuchert souverän geleiteten Orchesterapparat. Bei "Vidit Jesum in tormentis" fiel insbesondere die romantische Melodie in den Geigen auf. "Lament" überzeugte aufgrund der mit gesanglicher Strahlkraft agierenden Mezzosopranistin Simone Eisele, die ihren Kantilenen ein zugleich weiches Timbre verlieh. Im feinen Dialog mit der Oboe gefielen diese Passagen ganz besonders.
Glissando-Figurationen machten sich noch in geheimnisvoller Weise bei "Are you lost out in darkness?" bemerkbar, während sich die Stretta-Attacken des Finales "Paradisi gloria" in wilder Ostinato-Form ins Gedächtnis bohrten.

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