Veranstaltungen 2011/2012 NWT-Brücke Klasse 10
NWT-Brücke Klasse 10

STUTTGART     BERLIN      SAO  PAULO      NEW  YORK

 

oder: wie man kreativ von A nach B gelangen kann

 

Eine Brücke ist oftmals die einzige oder zumindest eine sehr sinnvolle Möglichkeit, um von „A“ nach “B“ zu kommen. So einfach und plausibel führte uns Herr Werwigk vom Ingenieur-Büro Schlaich, Bergermann & Partner in die Aufgaben eines Brückenbauers ein.

 

 

Als NwT-Kurs der Klassen 10b und c besuchten wir am 20. Oktober das Stuttgarter Büro, das ca. 100 Bauingenieure beschäftigt. Die Firma hat im Übrigen noch weitere Büros in New York, Sao Paulo und Berlin. „Wir werden herkömmlich als Statiker bezeichnet und ja, wir berechnen Brücken.“ Das sich dahinter ein faszinierendes Berufsfeld erstreckt, konnte er uns in den nächsten 70 Minuten sehr eindrücklich vermitteln.

 

 

In einem offenen Konferenz-Bereich, in bequemen Sesseln und mit Getränke versorgt, konnten wir Herrn Werwigks Ausführungen lauschen, die er mit tollem Bild- und Anschauungsmaterial unterlegte. Das Büro konzipiert verschiedenste sogenannte Tragwerke, insbesondere auch leichte Turm - und Dachkonstruktionen. Einen stetig steigenden Anteil aus dem Bereich der Sonderbauten nehmen verschiedenste Solaranlagen ein, die in Spanien bereits Quadratkilometer-Größe erreicht haben.

Dann aber widmete sich Herr Werwigk unserem Hauptinteressensgebiet, dem Brückenbau. Während wir uns im Unterricht bisher hauptsächlich mit den wichtigsten Brückentypen und den dort auftretenden Kräften befasst und in Versuchen entsprechende Erkenntnisse gewonnen hatten, wollte Herr Werwigk uns die Kreativität, die hinter spektakulären Entwürfen steckt, vor Augen führen. Dabei griff er zunächst doch einmal auf die historische Entwicklung des Brückenbaus zurück, wo es nur darum gehen musste von “A“ nach „B“ zu gelangen, zeigte dann aber die vielfältigen konstruktiven Möglichkeiten auf, um Brücken harmonisch in eine Landschaft, und sei es auch eine Stadtlandschaft, einzufügen. Diesem Aspekt eines Entwurfes fühlt sich sein Büro besonders verpflichtet. Aus allen Erdteilen stammten interessante Brücken, die von diesem Büro konzipiert wurden, und die wir in entsprechenden Bildern bestaunen konnten. Darunter waren auch viele Brücken, die dann mit entsprechenden Preisen ausgezeichnet wurden. Und trotzdem flossen so ganz nebenbei auch weitere, vielfältige Informationen über Tragwerke, Gründungen, Konstruktionsprinzipien und Brückenbau-verfahren ein. Prima war, dass er seine Ausführungen sehr gut auf unseren Kenntnisstand abgestimmt hatte und sehr verständlich und erklärend darlegen konnte.

 

 

An einer Brücke über den Neckar bei Esslingen-Mettingen hat uns Herr Werwigk abschließend aufgezeigt, welche umfangreichen Überlegungen die Ingenieure bei solch einem Bauvorhaben anlegen können. Ausgangspunkt war der Wunsch der Firma Daimler von ihrem Produktionsstandort diesseits des Neckars zu einem Schulungszentrum jenseits des Neckars eine möglichst kurze Verbindung zu erhalten. Der Wunsch der Stadt Mettingen nach einer Holzkonstruktion wurde bald verworfen, weil dies zu einer relativ wuchtigen Ausführung hätte führen müssen. Interessant war auch, dass der Verlauf dieser Fußgängerbrücke, sowie die Anbindung an deren jeweiligen Enden nach verschiedensten Kriterien beurteilt werden konnte; z.B. in welchem Winkel die Radfahrer die Brücke zum anschließenden Radweg verlassen sollten. Oder die Steigung der Brücke, die auch Rollstuhlfahrern eine zumutbare Überquerung ermöglichen sollte. Oder die Notwendigkeit einer Wölbung, um das Niederschlagswasser entsprechend abzuführen. Oder der Wasserstand des Neckars und die möglichen Schiffshöhen.

 

 

Direkt im Anschluss an diese Ausführungen fuhren wird dann mit der Linie S6 nach Mettingen, wo uns schon eine Mitarbeiterin erwartete. Nun konnten wir die Brücke „life“ erleben und bekamen noch ergänzende Informationen. Regelmäßig hieß es für uns den Fußgängern, Joggern oder Radfahrern Platz zu machen. Der Zweck dieses Bauwerks wurde also sichtlich erreicht. Unser Weg von Mettingen nach Leonberg erforderte dann aber wieder die S-Bahn. Deren Streckenverlauf führte selbstverständlich über unzählige Brücken. An diesem Nachmittag ist es jedenfalls gut gelungen eine Brücke von der Unterrichtstheorie zur Praxis zu schlagen.

 

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