Veranstaltungen 2011/2012 Firmenexkursion J2
Firmenexkursion J2

„Hochzeit schon nach 28 Stunden – und was kommt danach?“

-   ASG –Schüler  als „Trauzeugen“  -

 

Eine gewaltig schwere Rolle Stahl  liegt da vor uns aufgerollt. Nur 1,8mm dünn. In wenigen Stunden wird daraus eine „Premium-Karosse“ entstehen, die die Blicke auf sich ziehen wird.
Aber der Reihe nach:

Am 29.September  besichtigten wir, der zweistündige Erdkundekurs (Jahrgangsstufe 2) von Herrn Hübner sowie der vierstündige Gemeinschaftskundekurs von Herrn Nowotzin, das AUDI-Werk in Neckarsulm. Außerdem begleitete uns Herr Kern, der am ASG ein Lehramtspraktikum absolviert.

 

 

Wir fuhren um 7:30 Uhr mit dem Bus in Leonberg ab. Während der Fahrt informierte uns Herr Hübner schon einmal im voraus über das AUDI-Werk und die Standortbedingungen in Neckarsulm.

Nach der Ankunft um 8:15 am AUDI-Werk konnten wir unsere Sachen wegschließen und wurden dann in zwei gleichgroße Gruppen aufgeteilt, eine wurde von einem Mann, die andere von einer sehr kompetenten Frau durchs Werk geführt. Wegen der Größe des Geländes legten wir einige Strecken sogar mit einem Werksbus zurück. Über Kopfhörer konnte man problemlos den umfangreichen Ausführungen folgen.

 

 

Der Name „AUDI“ entstand 1909 und wurde nach seinem Gründer August Horch benannt, da Audi der lateinische Begriff für das Verb „horch“ ist. Die 4 sächsischen Automobilfirmen, AUDI, DKW, Horch und Wanderer fusionierten 1932 zur Auto-Union AG. Diese 4 Automobilfirmen werden durch das bekannte  AUDI-Markenzeichen mit den vier Ringen symbolisiert. Als sich nun noch VW anschloss, war es nicht möglich einen weiteren Ring anzuhängen, da das Symbol der fünf Ringe für Olympia vorbehalten ist.

 

 

Bei der Führung wurden wir der Reihenfolge nach entlang der Produktionskette geführt. Wir begannen bei dem Presswerkbereich,  in dem 24 Stunden gearbeitet wird. Hier standen gigantische Maschinen, die in mehreren Schritten aus den schon erwähnten dünnen Stahlblechen z.B. Autotüren oder Motorhauben pressten. Nach der Pressstraße muss jedes Einzelteil von besonders geschultem Personal qualitätsgeprüft werden.

Als nächstes besichtigten wir den Karosseriebau, hier werden 96% der Arbeit durch Maschinen, hauptsächlich Robotern, erledigt. Vollautomatische Fertigungsstraßen mit kurzen Taktzeiten durchzogen die riesige Halle, die überall sehr sauber war.
Darauf folgt die Lackiererei, in die aber niemand Zutritt hat, da sich die kleinsten Verunreinigungen später im Lack zeigen würden. Das derzeitige Farbranking wird angeführt von Silber- und Grautönen, gefolgt von schwarz, weiß, zunehmend braun und dann rot.
AUDI produziert nach dem Prinzip „Just in Sequence“, was bedeutet, dass die Teile, die zur Produktion benötigt werden, erst 30 Minuten bevor sie verarbeitet werden, an der Produktion ankommen. Unglaublich waren die Ausführungen, dass es allein für einen einzelnen Sitz Hunderte verschiedener Ausführungen gibt, und jeder Kunde sich diese individuell zusammenstellen kann. In der Endmontage gleicht daher eigentlich kein Auto dem anderen.

Sollte eine dieser Lieferungen zu spät eintreffen, so kann es zu einem Stopp des Fließbandes kommen, hierbei bedeutet 1 Minute Verzögerung 1 Million  Euro Verlust für AUDI. Beeindruckend waren die ständigen Qualitätskontrollen, selbst in einem Computertomographen werden bestimmte Teile geprüft.

Das AUDI-Werk in Neckarsulm kann sich flächenmäßig nicht mehr ausdehnen und daher  sind viele Produktionsschritte auf mehreren Etagen angeordnet: bestimmte Module verschwinden plötzlich nach oben, andere kommen  von 2 höher gelegnen Etagen wieder nach unten. In der Endmontage arbeiten die meisten der über 13.000 Beschäftigten des Neckarsulmer-Werkes, das im Drei-Schicht-Betrieb produziert. Wir hatten den Eindruck und so hatte es uns Frau Lauber auch erklärt, dass man  sich darum bemüht, die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten immer wieder zu verbessern und vor allem körperliche Anstrengungen zu reduzieren. Da täglich vielfach Führungen stattfinden, arbeiten die Beschäftigten hier fast immer unter Beobachtung.

 

 

Eine besondere Station im Produktionsprozess war die so genannte „Hochzeit“. Bei dieser werden Karosserie und Motor zum ersten Mal zusammengeführt. Etwa 28 Stunden sind seit dem Beginn der Produktion verstrichen. Das Motor-Getriebemodul wird von unten mit der Karosserie verbunden, d.h. verschraubt. Der Motor hat dabei übrigens schon eine recht lange „Hochzeitsreise“ hinter sich. Denn alle AUDI-Motoren werden im ungarischen AUDI-Werk in Györ produziert und nach Deutschland geliefert. Ein typisches Beispiel für die Globalisierung.

Frau Lauber erklärte uns, dass die Fahrzeuge an länderspezifische Reglungen angepasst werden müssen, z.B. müssen in Amerika die Blinker separat am Auto angebracht werden, und dürfen nicht, wie in Deutschland in den Scheinwerfern/Rücklichtern integriert werden.

Nun ist der AUDI auslieferbar. Aber zuvor wird er auf einer Teststrecke auf dem Werksgelände, oder bei bestimmten Baureihen sogar auf der nahen Autobahn ( Richtung Würzburg, weil diese wenig befahren ist) noch einmal gecheckt. Sagenhafte 90% der Produktion aus Neckarsulm gehen ins Ausland. Nur 10% werden in Deutschland verkauft und von diesen werden nur 30% an Privatpersonen verkauft, die restlichen 70% sind Firmenwägen/-flotten.

Ein Großteil dieser Privatkunden holt übrigens seinen AUDI nicht beim Händler, sondern beim Werk in Neckarsulm direkt ab. Dazu wurde vor wenigen Jahren das  architektonisch auffällige AUDI-Forum gebaut, das für die Kunden das nötige Ambiente schaffen soll und in dem wir uns am Ende auch noch ein wenig umsehen konnten. Neben Oldtimern aus der „Klamottenkiste“ standen auf einer anderen Etage die zusätzlich gestylten aktuellen Boliden.

Schließlich begaben wir uns wieder auf die Rückfahrt und kamen um 12:30 Uhr am ASG an.

Insgesamt war der Lerngang  eine sehr interessante und lehrreiche Erfahrung.

 

Antonia Schneck

Laura Wunder

R. Hübner ( Ergänzungen)

 

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