Veranstaltungen 2011/2012 Biotechnologie-Praktikum J2
Biotechnologie-Praktikum J2

Känguruhsteaks, die gar keine sind? Freispruch 87 Jahre nach vollstrecktem  Todesurteil! Genreis, der gar nicht mehr gekennzeichnet wird?

Mit diesen und weiteren eindrücklichen und tatsächlichen Begebenheiten wollte uns Herr Heinze vom Mörike-Gymnasium in Esslingen auf unser Biotechnologie-Praktikum einstimmen.



Am 28.01.2011 machten wir uns auf den Weg nach Esslingen. Kurz vor unserem Abitur hatten wir, der vierstündige J2-Kurs von Herrn Hübner, die Möglichkeit in einem fünfstündigen Praktikum  eine PCR und eine Gelelektrophorese  durchzuführen.
1983 entwickelte Karry Mullis die für die Biotechnologie revolutionäre Methode der PCR, mit deren Hilfe in wenigen Stunden die DNA  einer einzigen Zelle millionenfach kopiert werden kann, um sie dann  z.B. in der Kriminaltechnik einsetzen zu können.

Wir starteten unser Praktikum mit dem Einüben von Pipetiertechniken. Dies war notwendig, da sich in den Gefäßen, mit denen wir hantierten, Mengen von weniger als 1/1000g befanden. Ein Schüler von Herrn Heinze brachte nach einiger Zeit eine Papierrolle in den Raum, die aus 40 DIN-A4- Seiten bestand; jede Seite mit 1000 Buchstaben beschrieben. Die 40 Seiten zusammen stellen das Erbgut eines kleinen Virus dar, genauer des Phagen Lamda, der lediglich Bakterien befällt.


Unsere Aufgabe sollte es sein,  einen  ca. 700 „Buchstaben“ langen Ausschnitt dieses Erbgutes  millionenfach zu vervielfältigen und dann in einem Trennverfahren sichtbar zu machen.  In genau vorgeschriebenen Arbeitsschritten wurden Enzyme ,Primer“  und DNA-Bausteine zusammengemischt, um dann die Kopiervorgänge einzuleiten. Ein Thermocycler, den Herr Heinze vom LKA erhalten hatte, begann nun das Gemisch zu erhitzen, abzukühlen, wieder zu erhitzen und damit eine Reproduktion auf die andere folgen zu lassen; 2,4,8,16,32... exponentiell nahm die Anzahl der Virus-DNA zu.

Die Arbeit des Thermocyclers nutzten wir zu einer kurzen Mittagspause, ehe dann die etwas spannendere Gelelektrophorese anstand.

Eine gelatineartige, zähe Masse war mit winzigen rechteckigen Vertiefungen versehen, in die es galt die DNA hinein zu pipettieren. Dann wurde das Ganze mit einer Pufferlösung überschichtet und an Strom angeschlossen. Schon nach Sekunden konnten wir beobachten, wie die DNA  das Gel in Richtung Pluspol  durchdrang.  Dann wurde das Gel eingefärbt und anschließend wieder entfärbt. Unter UV-Licht konnten wir nicht ohne Stolz und Genugtuung die erhofften DNA-Banden sichtbar machen, da sich die DNA nicht wieder entfärbt hatte.
Auf den PCR-Song, den uns Herr Heinze noch vorspielen wollte, haben wir allerdings verzichtet, da der Freitagnachmittag doch schon  ziemlich fortgeschritten war.



Und Colin Ross, der 1921 wegen des angeblichen Mordes an einem 12-jährigen Mädchen zum Tod durch den Strang verurteilt worden war, half die späte Rehabilitation auch nicht mehr wirklich viel. Ein rotes Haar wurde damals in seinem Zimmer gefunden. Es sollte von  der Ermordeten gestammt haben. 2008 wurde das Haar  noch einmal untersucht. Mit der PCR wurde die DNA  vervielfältigt  und konnte mit  Proben des damaligen Opfers verglichen werden. Es stammte  nicht von ihm. Rob Hulls der Generalstaatsanwalt des australischen Staates Victoria äußerte sich folgendermaßen: „Das ist ein tragischer Fall von Justizirrtum. Es soll all jenen eine Warnung sein, die immer noch glauben, dass die Todesstrafe einen Platz in unserem Rechtssystem haben sollte.“

 

 


 

test