Highlights Gold- und Silberabitur
Gold- und Silberabitur

„Wir waren an einer besonderen Schule“

 

Das Albert-Schweitzer-Gymnasium heißt seinen ersten Abitursjahrgang willkommen.

Ein Artikel aus der Leonberger Kreiszeitung von Sybille Schurr vom 10.10.2011

 

Der Freundeskreis hat für die „Goldenen“ eine Jubiläumsfeier ausgerichtet. Überhaupt stand das Albert-Schweitzer-Gymnasium am Samstag ganz im Zeichen von nostalgischen Rückblicken, denn auch die „silbernen Abiturienten“, die vor 25 Jahren die Prüfung abgelegt haben, waren gekommen. Die „Goldenen“ lernten bei dieser Gelegenheit die neue Triangel-Mensa kennen, die „Silbernen“, von den älteren als „die Kleinen“ bezeichnet, feierten in der Aula.

Abitursjahrgang 1961 – in Stichworten ließ der ASG-Schulleiter Klaus Nowotzin diese Zeit Revue passieren. Mauerbau in Berlin, das politische Umfeld war vom Kalten Krieg geprägt. Die Bundesbürger waren dabei, sich im Wohlstand einzurichten, die Spuren der Vergangenheit verblassten langsam, die „Fress- und Wohnwelle“ waren vorüber, jetzt begann die Reisewelle. Man konnte es sich leisten, es herrschte Vollbeschäftigung.

Für die Leonberger Abiturienten begann der „Ernst des Lebens“, der Einstieg in Studium oder Berufstätigkeit. Die Welt stand ihnen offen. Sorge um seine Zukunft brauchte sich keiner zu machen. Deutschland brauchte jeden jungen Menschen. „Dieses Gefühl einer Aufbruchsstimmung trug uns damals“, erinnert sich Hildrun Schlicke, die Vorsitzende des Freundeskreises. Sie hat zwei Jahre nach den „Goldenen“ ihr Abitur am ASG gemacht.

 


 

„Das hat auch ein ungeheures Gefühl der Verbundenheit gegeben“, so Ottokar Löffler, der bekennt, sich jeden Tag „auf die Schule gefreut“ zu haben. Es war nicht nur das Gefühl der Verbundenheit, es war auch Stolz, der Schüler des neuen ASG beflügelte. Voller Stolz sind sie im Dezember 1957 eingezogen in ihre neue moderne Schule. „Jeder hat was von der Bahnhofstraße in die neue Schule gebracht“, erinnert sich Reinhold Beutelsbacher. Einer hatte das Skelett, den Knochenkarle, unterm Arm, die anderen die Landkarten.

Sie waren „die Avantgarde“, stellte Oberbürgermeister Bernhard Schuler bei der Begrüßung fest. „Die ersten Abiturienten in Leonberg“ – ein wichtiger Meilenstein für den Bildungsstandort Leonberg. Der kann mittlerweile, begonnen mit der Lateinschule, die Johannes Kepler besuchte, auf fast 400 Jahre Tradition zurückblicken. Im Freundeskreis ist man derzeit daran, diese Schulgeschichte aufzuarbeiten. „Ein Gymnasium strahlt aus in die Stadt, viele Impulse gehen von hier aus“, so Schuler.

Zuvor mussten die Schüler nach der mittleren Reife, die man in Klasse 6 ablegte, mühsame Wege in Stuttgarter Gymnasien auf sich nehmen. Das Leben eines „Fahrschülers“ war nicht angenehm. „Das Landgymnasium, das da in Leonberg entstanden ist, wurde von den Schulbehörden argwöhnisch beäugt“, weiß Hildrun Schlicke. Eine zentrale Prüfung, wo jeder Schüler gleich geprüft wird, gab es damals noch nicht. Die Leonberger wurden von der Kommission besonders scharf geprüft.

Heute, 50 Jahre später, ist den damaligen Schülern bewusst: „Wir waren an einer wirklich besonderen Schule. Auf das Studium waren wir bestens vorbereitet.“ Und als dann auch noch peu à peu eine neue Lehrergeneration Einzug hielt im ASG, wurde Zukunftsmusik angestimmt. Manchen Konflikt hatten die jungen Menschen auszuhalten mit der Vorkriegslehrergeneration, „das war nicht immer schlecht“.

Wer könne schon genau wissen, philosophierte Schulleiter Nowotzin, ob die Avantgarde des Jahres 1961 nicht bald zu einer aussterbenden Spezies werde, sie waren einfach Schüler und Abiturienten, die Zukunft macht aus Schülern „Bildungspartner“, aus Lehrern „Bildungsbegleiter“. Offen ist auch die Zukunft des althergebrachten Gymnasiums.

 

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