Highlights Jahreskonzert 2011
Jahreskonzert 2011

Vielsprachiges Gotteslob der Weltreligionen

Artikel aus der Leonberger Kreiszeitung vom 21.07.2011 von Gabriele Müller

 

Mit einem klugen Konzept und einem riesigen, bestens vorbereiteten und voller Begeisterung musizierenden Ensemble ist am Mittwochabend ein ebenso anspruchsvolles wie kurzweiliges Konzert geglückt. Die gemeinsame Veranstaltung der Leonberger Gymnasien zum Schuljahresende in der katholischen Johanneskirche hat Tradition. Die jährlich zwischen den Musiklehrern der beiden Schulen wechselnde Leitung hatte diesmal Musiklehrerin Theresa Nar inne.

 

 

Auf dem Programm standen zwei unterschiedliche Vertonungen des "Gloria", eines Abschnittes der lateinischen Messe, der zum sogenannten Ordinarium gehört; also zu jenen Messeteilen, die das ganze Kirchenjahr über unverändert Bestandteil der Messe bleiben. Am beeindruckendsten an diesem Konzept war, dass die Realisierung der beiden Gloria-Vertonungen aus vollkommen unterschiedlichen Epochen und Kontexten stammten. So begann der Abend mit dem "Gloria" von Antonio Vivaldi, das als bekanntestes geistliches Stück des venezianischen Barock-Komponisten gilt. Die zweite Programmhälfte war dem "Gloria" des 1944 geborenen walisischen Komponisten Karl Jenkins vorbehalten, der in seiner Vertonung den traditionellen Gloria-Text in zwei Teile sprengt und Psalmtexte, freie Dichtungen und gesprochene Texte anderer Religionen einfügt. Es geht dabei um den Glauben jeder Religion an eine Göttlichkeit.

 



Insgesamt fünf Chöre, ein Orchester und sogar die beiden Solistinnen stellten die Leonberger Schulen und bewiesen dadurch eindrucksvoll, dass sie solch anspruchsvolle Werke komplett aus eigener Kraft zu realisieren vermögen. Zum großen Gesamtensemble vereinten sich die zwei Unterstufenchöre der beiden Schulen, der Mittel- und Oberstufenchor des Albert-Schweitzer-Gymnasiums, der Jazzchor des Johannes-Kepler-Gymnasiums sowie der gemeinsame Elternchor. Die Solopartien übernahmen Petra Botsch, die am Albert-Schweitzer-Gymnasium unterrichtet, und Adelheid Petruschke-Abramovici, die seit 1989 am Johannes-Kepler-Gymnasium ist. Beide Frauen ließen keinen Zweifel daran, dass es bei Konzerten keine Notwendigkeit gibt, externe Künstler zu verpflichten.

 



Festlich, mit großem Tutti und Trompetenglanz begann Vivaldis "Gloria". Bei leiseren Passagen, dem "et in terra pax" beispielsweise, strömten die Stimmen der Erwachsenen klar und schlank, während die Soprane dem Gesamtklang mit sauberen Höhen ein strahlendes Glanzlicht aufsetzten. Leichte, tänzerische Passagen wie das "laudamus te" gelangen ebenso wie das schleppende, chromatisch schillernde "qui tollis". Neben den Soli der beiden erwachsenen Sängerinnen beeindruckten auch zwei junge Instrumentalisten: Alexander Feile, dessen Oboe beim "Domine Deus" im wiegenden Siciliana-Rhythmus innige Zärtlichkeit spürbar machte. Kilian Schwarz' Cello, das ebenfalls immer wieder als obligates Instrument zum Einsatz kam, verzauberte durch seinen hellen und leichten Klang, der bei diesem Instrument nicht oft zu finden ist. Festliche Fugen meisterte das riesige Ensemble mit Bravour.

 



Klanggewaltig setzte das "Gloria" von Jenkis andere Akzente. Es erinnerte immer wieder an Filmmusiken, wie sie zu monumentalen Hollywood-Filmen biblischen Inhalts gerne komponiert werden. Rolf Beuchert donnerte mit dem Schlagzeug aus dem rechten Kirchenschiff zum mächtigen Klang der Posaunen und Trompeten. Lyrischere, fast meditative Abschnitte sorgten für Verschnaufpausen; es gab fließende Balladen und zum Schluss sogar spanische Rhythmen. Dazwischen lasen Jugendliche hinduistische, buddhistische, taoistische und islamische Texte. Und die Einigkeit der Menschen war für sie kein Lippenbekenntnis: Ein Teil der Konzerterlöse geht an die hungernden Menschen in Ostafrika.

 


 

test