Highlights Rüdiger Nehberg
Rüdiger Nehberg

Menschenwürde im Fokus und Leben am Limit

 

 

Der Überlebenskünstler Rüdiger Nehberg hat Station in der Stadt gemacht.

Ein Artikel von Linda Mayer aus "Strohgäu Extra".

Einen Diavortrag über sein unkonventionelles Leben hat der Überlebenskünstler und Menschenrechtler Rüdiger Nehberg im Atrium des Albert-Schweizer-Gymnasiums gehalten. In kurzweiligen 90 Minuten zum Thema "Querschnitt durch ein aufregendes Leben" erzählte er von spektakulären Aktionen und seinem humanitärem Engagement, für das er 2008 das Bundesverdienstkreuz erhielt.
Nehberg folgte der Einladung des Schulleiters Klaus Nowotzin, der ihn auf einem Lehrerkongress erlebt hatte. Die Inhalte und die Art, über sein Leben zu sprechen, habe ihn so beeindruckt, dass er ihn zu einem Vortrag für seine Schüler gewinnen wollte. Nehberg sei, so Nowotzin, ein "moderner Albert Schweitzer, der sich mit aller Kraft für eine bessere Welt einsetzt", einer, der aufgrund seines vielfältigen Engagements zum Leitbild der Schule passe.

Nehberg ist schon vor 30 Jahren durch Aktionen bekannt geworden, die ihm den Beinamen "Sir Survival" eintrugen. Der Überlebens-Experte schilderte in atemberaubendem Tempo seinen Traum vom großen Abenteuer, in der er die Kunst entwickelte, allein durch seine Instinkte zu überleben.

War es anfangs noch das Abenteuertum eines Bäckers, dem es langweilig geworden war und der sich eine Kletterwand in seine Großbackstube in Hamburg geschraubt hatte, so beschäftigte er sich später mit allen Formen des Überlebens in der Natur. Vom Übersetzen per Seil über einen reißenden Fluss mit Krokodilen, der Wildschweinjagd ohne Waffen bis hin zum Feuermachen, das als Königsdisziplin gilt. Das alles habe er erstmals auf einem 1000-Kilometer-Marsch von Hamburg nach Oberstdorf trainiert, bei dem er "25 Pfund ärmer und zwei Erfahrungen reicher" geworden sei.
Seit Jahrzehnten gilt Nehberg quasi als der deutsche Papst der Survival-Szene, denn er hat als Erster die Idee des Überlebens nach Europa gebracht und in vielen Ratgebern thematisiert. Mit den Fotos zu Extremtouren in Äthiopien, Brasilien, Australien, spektakulären Atlantik-Überquerungen per Tretboot, Bambusfloß oder Baum fesselt er immer wieder das Publikum. Prägend seien für ihn, so betonte er, zwei einschneidende Erlebnisse gewesen: Die Ermordung des Kameramanns Michael Teichmann 1975 bei der Überquerung des Nils mit einem selbst gebauten Boot und zwei Jahre später die Durchquerung der Danakil-Wüste zu Fuß in viereinhalb Monaten. Das sei eine der unwirtlichsten Regionen der Erde, mit Schwefelquellen und aktiven Vulkanen, bei der ihn die hohe Ethik der islamischen Gastfreundschaft vor dem Tod gerettet habe.

Danach füllte sich das Abenteuer mit Sinn: Seit 1980 kämpft er für die Rechte des Indianervolks der Yanonami im brasilianischen Urwald und hat erreicht, dass dem Stamm ein eigenes Reservat zugestanden wird. So unterhaltsam der Abenteurer auch sein kann, so deutlich und eindringlich wird Nehberg, wenn es um sein persönliches Anliegen geht: die Wahrung der Menschenrechte. Er sprach über Target, die Hilfsorganisation, die er 2000 zusammen mit seiner Frau Annette gegründet hat und die beim Kampf gegen die Beschneidung weiblicher Genitalien einige Erfolge erzielt habe. Doch die "Karawane der Hoffnung" solle noch weiter ziehen, schloss der Aktivist und erntete am Ende von den mehr als 200 Zuhörern enthusiastischen Beifall.

 

 

 

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