Highlights Albert-Schweitzer-Film
Albert-Schweitzer-Film

Mehr als "der gute Mensch aus dem Urwald"

Artikel aus der vom 22.12.2009


Sämtliche Schüler und Lehrer des Albert-Schweitzer-Gymnasiums (ASG) - zusammen rund 600 Personen - sind gestern in den Genuss einer exklusiven Preview gekommen: Drei Tage vor dem Kinostart durften sie den Film "Albert Schweitzer - Ein Leben für Afrika" sehen. Eigens dafür wurde die Stadthalle in ein Lichtspielhaus verwandelt, da Leonberg "ja leider über kein Kino mehr verfügt", wie der Schulleiter Klaus Nowotzin bedauert. Dass das kollektive Kino-Erlebnis dennoch möglich war, ist Nowotzins Initiative zu verdanken: Er hatte die Filmplakate gesehen - und kurzerhand zum Telefon gegriffen. Prompt machte sich eine Mitarbeiterin der Produktionsfirma NFP mit einer DVD im Gepäck von Berlin auf nach Leonberg. Und so konnte Nowotzin seiner Schule schon in den ersten Monaten seines Direktorats das bescheren, was er "ein bisschen als ein Weihnachtsgeschenk" bezeichnet.

Knapp zwei Stunden lang nahm der Albert-Schweitzer-Film Schüler und Lehrer des nach dem "Urwalddoktor" benannten Gymnasiums gestern mit nach Lambarene im afrikanischen Gabun. Selbst die älteren Gymnasiasten erfuhren dabei so manches Neue über den Namenspatron ihrer Schule. In erster Linie hätten sie ihn als "den guten Menschen aus dem Urwald" gekannt, sagte etwa der Abiturient Max Esser. All die politischen Schwierigkeiten und Gefahren, mit denen Schweitzer und seine Mitstreiter zu kämpfen hatten - gab es doch von Politikern in Gabun bis zum amerikanischen Geheimdienst einige Kräfte, die das Spital schließen und Schweitzer schaden wollten -, seien bislang unbekannte Aspekte gewesen. "Es ist für uns neu gewesen, dass man so jemandem solche Steine in den Weg gelegt hat", wunderte sich auch der Elftklässler Sebastian Mann von der Schülermitverwaltung (SMV). Aber gerade die Tatsache, dass der Film ebenso die Probleme zeigt und nicht nur die positiven Seiten, sagte auch der Zehntklässlerin Lisa Vest zu. Durch den Film könne man sich stärker mit Schweitzer und seinen Anliegen identifizieren.



Das war für Nowotzin der Beweggrund des gemeinsamen Kino-Besuchs gewesen - wohl wissend, dass er den Schülern keinen "Eia-Poppeia-Film" präsentieren würde und dass den Jüngeren Hintergrundwissen fehlt. Denen war der Film denn auch teils zu lang, wie die Siebtklässlerinnen Julia Schmid, Pia Neumann und Jana Zierler sagten. Wenngleich auch sie feststellten, dass sie jetzt deutlich mehr über Schweitzer wissen, an dessen Leitsatz von der "Ehrfurcht vor dem Leben" sich das Leitbild des ASG orientiert. Deshalb fanden es Sebastian Mann und die anderen "gut, dass die ganze Schule den Film gesehen hat"; umso mehr, als es so etwas während ihrer Schullaufbahn noch nie gegeben habe.

Das Leitbild soll nun mit Leben gefüllt werden; womit die SMV mit verschiedenen Aktionen und Projekten bereits begonnen hat. Das bedeutet unter anderem, dass Schule als eine Gemeinschaft erlebt wird, in der gegenseitige Achtung und engagiertes Miteinander herrschen. Dass Bildung als Wert geachtet wird oder auch, dass Schweitzers Satz "Der Mensch beherrscht die Natur, bevor er gelernt hat, sich selbst zu beherrschen" ernst genommen wird. Heute soll der Film daher in allen Klassen nachbereitet werden.

Unabhängig davon stand für ältere wie für jüngere Schüler schon gestern fest, dass sie den Film weiterempfehlen würden. Und Lisa Vest wird ihn wohl noch ein zweites Mal ansehen: Sie wollte ohnehin zusammen mit ihrer Oma ins Kino, denn für die sei Albert Schweitzer das größte Vorbild.

 

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