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G 8 / G 9
Am ASG Leonberg wird es kein G 9 Angebot geben
Erläuterungen des Schulleiters, Herrn OStD Klaus Nowotzin, vom 21.11.2011
Sehr geehrte Eltern,
die grün-rote Landesregierung hat in Ihrem Koalitionsvertrag angekündigt, an den Gymnasien wieder neunjährige Züge zuzulassen.
Ich selbst bin als Lehrer mit jahrzehntelanger Erfahrung und als Vater einer „G 9 Tochter“ und eines „G 8 Sohnes“ der tiefen Überzeugung, dass ein Schuljahr mehr unseren Kindern gut tun würde, weil dies in den einzelnen Schuljahren eine etwas geringere Belastung – vor allem hinsichtlich der Stundentafel – bedeuten würde.
Als stellvertretender Landesvorsitzender des Philologenverbandes, der Berufsvertretung der Gymnasiallehrerinnen und -lehrer, konnte ich vor den Pfingstferien mit der Ministerin auch über dieses Thema sprechen – mit der Folge, dass ich ein Modell entworfen habe, wie die Schülerinnen und Schüler über ihre ganze Schulzeit entlastet werden könnten, was die Wiedereinrichtung einer elften Klasse zur Folge gehabt hätte. Meine Intention war, dass nicht jede Schule alleine wieder diese Arbeit machen müsste, sondern sich an diesem Modell orientieren könnte – und meine Hoffnung war, dass dies an den Schulen neben den weiterhin bestehenden G 8 Zügen als Regelschule angeboten werden kann.
Diese Hoffnung hat sich nicht erfüllt. Nach jetzigem Stand ist Folgendes im Gespräch und soll demnächst als Kabinettsbeschluss vorliegen:
Es werden an 40 bis 50 Standorten G 9 Versuchsschulen zugelassen.
An diesen Schulen können verschiedene G 9 Modelle ausprobiert werden. Neben der Dehnung des Stoffes über die ganze Schulzeit gibt es vor allem Modelle, die die ersten zwei Schuljahre auf drei ausdehnen wollen oder in denen in der Mittelstufe ein Schuljahr eingeschoben wird. Bei beiden letzteren Modellen würden die Schüler danach oder davor die G 8 Züge besuchen.
Es ist nicht geklärt, ob sich das Ministerium irgendwann für eines der Modelle entscheiden will – oder wie es dann überhaupt mit G 9 weitergehen soll. Offen ist auch die Dauer des Versuchs und die Frage, ob es mehrere Durchläufe gibt.
Mir selbst erschließt es sich nicht, warum wir etwas erproben sollen, was wir schon ein halbes Jahrhundert erfolgreich an den Gymnasien praktiziert haben, nämlich die Hinführung zum Abitur in neun Jahren.
Außerdem drängt die Zeit: Die Entscheidungen hinsichtlich G 9 hätten meiner Ansicht nach von Seiten der Regierung bis zu den Herbstferien getroffen werden müssen, da an den Schulen diese Möglichkeit ja auch erst diskutiert werden müsste; entschieden wird in dieser Hinsicht übrigens in der Schulkonferenz (hier sitzen je drei gewählte Schüler- und Elternvertreter, sechs gewählte Lehrer und der Schulleiter) und in der Gemeinde als Schulträger. Dies alles braucht Zeit – die ersten Informationsveranstaltungen für die Eltern der Viertklässler laufen im Land im Dezember an.
Dazu kommt, dass das G 8 weiterentwickelt werden soll. In einem Brief der Ministerin an die Schulen vom 21.10.2011 heißt es, dass die Belastung der Schülerinnen und Schüler durch G 8 durch eine Weiterentwicklung des Bildungsplans reduziert werden soll.
Auf Veranstaltungen wurden Einzelheiten genannt:
Sollten die Belastungen für die Schülerinnen und Schüler tatsächlich deutlich heruntergefahren werden, stellt sich natürlich die Frage, ob sich das Einlassen auf einen G 9 Versuch überhaupt noch lohnt.
Eine weitere Unsicherheit für die weiterführenden Schulen bedeutet auch die Aufhebung der Verbindlichkeit der Grundschulempfehlung. Die Empfehlung wird es von Seiten der Grundschullehrkräfte weiterhin geben, die Entscheidung, auf welche Schule Sie als Eltern ihr Kind schicken, liegt aber künftig alleine bei Ihnen. Die Leiter der weiterführenden Schulen bekommen nur noch eine Mitteilung, dass Ihr Kind tatsächlich die vierte Klasse einer Grundschule besucht hat. Ich bin mir sicher, dass so gut wie alle Eltern hier eine gewissenhafte und sachgerechte Entscheidung treffen werden – es ist aber auch nicht auszuschließen, dass sich die Übergangszahlen erhöhen. Empfohlen wird, die Schülerströme wie bisher zu lenken – also gegebenenfalls auf ein anderes Gymnasium zu verweisen. Die Ministerin erteilte auf der Schulleitertagung am 14.11.2011 die Auskunft, dass bei sehr starkem Andrang ja an einer anderen Schule Platz sein müsse – und dann hätte man ja hier Räume für die Schüler. Das mag z.B. für den Deutschunterricht in einer fünften Klasse stimmen, aber nicht mehr, wenn in den höheren Jahrgängen Fachräume für den naturwissenschaftlichen Unterricht benötigt werden.
Auf einer Gesamtlehrerkonferenz am Anfang des Schuljahres bezeichnete eine Kollegin bei einer offenen Diskussion diese Lage insgesamt als „undurchsichtigen Brei“. In einer weiteren Konferenz am 23.11.2011 hat sich die Mehrheit des Kollegiums gegen die Einführung von G 9 geäußert. Die Gesamtlehrerkonferenz ist das Parlament einer Schule, ich respektiere diese Meinung. Ich selbst bin nach den aufgezeigten Entwicklungen in dieser Frage ambivalent. Mein Herz schlägt immer noch für eine Entschleunigung durch G 9, mein Verstand sagt mir aber, dass ich es als Direktor einer Schule unter diesen Umständen den Kolleginnen und Kollegen und auch Ihnen, sehr geehrte Eltern und Ihren Kindern nicht zumuten kann, sich auf das Abenteuer eines nicht genau definierten Experimentes einzulassen.
Mit freundlichen Grüßen
Klaus Nowotzin Schulleiter ASG |
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